„Ich kenne ihn auch.“
Margareta lächelte traurig.
„Nein“, sagte sie. „Du kennst nur den Teil von ihm, den er dir zeigt.“
Die Schwester ihrer Mutter hatte Zweifel
Margaretas Schwester war eine der wenigen Personen, die offen mit ihr darüber sprach.
Eines Tages saßen die beiden in der Küche.
Robert war gerade zum Einkaufen gegangen.
„Margareta, du kannst nicht dein ganzes Leben so verbringen.“
„Wie denn?“
„Du hast kein eigenes Geld.“
Margareta trank langsam ihren Kaffee.
„Ich habe alles, was ich brauche.“
„Das ist nicht der Punkt.“
„Was ist dann der Punkt?“
Ihre Schwester beugte sich vor.
„Du arbeitest seit Jahrzehnten. Du hast das Recht, selbst zu entscheiden, was du mit deinem Geld machst.“
Margareta schwieg.
Dann sagte sie:
„Vielleicht hast du recht.“
Ihre Schwester wartete.
Doch dann fügte Margareta hinzu:
„Aber vielleicht kennst du die ganze Geschichte auch nicht.“
„Welche Geschichte?“
Margareta sah zur Tür.
„Die Zeit wird es zeigen.“
Mehr sagte sie nicht.
Als die Tochter auszog
Viele Jahre später heiratete die Tochter und zog aus.
Sie nahm eine Menge ungelöster Fragen mit.
Sie liebte ihre Mutter.
Aber sie konnte ihren Vater nicht verstehen.
Deshalb rief sie ihre Mutter regelmäßig an.
„Wie geht es dir?“
„Gut.“
„Hat Papa wieder etwas gesagt?“
„Nein.“
„Hast du genug Geld?“
„Ja.“
„Soll ich dir helfen, ein eigenes Konto zu eröffnen?“
„Nein, mein Kind.“
„Warum nicht?“
Margareta antwortete immer:
„Es ist alles geregelt.“
Aber ihre Tochter glaubte ihr nicht.
Einmal sagte sie:
„Mama, wenn du irgendwann Hilfe brauchst, sag es mir. Egal wann.“
Margareta wurde plötzlich ernst.
„Ich weiß.“
„Versprichst du es?“
„Ich verspreche es.“
Die Metallkiste
Robert hatte eine alte Metallkiste.
Sie war grau, schwer und an den Ecken bereits rostig.
Sie stand normalerweise in einem kleinen Schrank in seinem Schlafzimmer.
Niemand wusste genau, was darin lag.
Dokumente?
Geld?
Schmuck?
Alte Briefe?
Als die Tochter einmal danach fragte, antwortete Robert nur:
„Private Sachen.“
Mehr nicht.
Einmal, als sie noch jünger war, versuchte sie aus Neugier, die Kiste zu öffnen.
Robert bemerkte es.
Er nahm ihre Hand weg.
„Fass sie nicht an.“
„Warum?“
„Weil ich es sage.“
Seine Stimme war so streng, dass sie erschrak.
Von diesem Tag an war sie überzeugt, dass sich darin etwas Wichtiges befand.
Vielleicht sogar etwas Schlimmes.
Dann kam der 50. Hochzeitstag
Fünfzig Jahre Ehe.
Die Familie beschloss, ein großes Fest zu organisieren.
Kinder, Enkel, Geschwister und einige enge Freunde kamen zusammen.