Meine Hände zitterten, nicht vor Kälte, sondern vor Hunger. Ich hatte seit Tagen nichts Richtiges gegessen, aber mein Sohn strampelte in meinem Bauch, trat gegen meine Rippen, als wolle er sich einen Platz sichern, und das brachte mich trotz meiner Angst zum Lächeln. Da hörte ich ein Geräusch, ein tiefes, fernes Grollen von der unbefestigten Straße, die den Berg hinaufführte: Militärlastwagen.
Mein Herz setzte einen Schlag aus. Ich ließ die Schüssel auf den Tisch fallen, das Mehl ergoss sich auf den abgenutzten Holzboden, und rannte zum Fenster. Drei grüne Lastwagen fuhren langsam auf die Straße, ihre Räder zermalmten Steine und wirbelten Staub auf. Es waren viele deutsche Soldaten, und ich versteckte den Mehlsack unter der Spüle. Das Essen war Schmuggelware, und wenn sie mich damit erwischten, würde ich sofort verhaftet werden.
Ich zog meinen größten Mantel an, den braunen Wollmantel meines Vaters, und versuchte, meinen erst einen Monat alten Bauch zu verbergen. Doch als ich Stiefel an der Haustür klopfen hörte, wurde mir klar, dass es sinnlos war. Ich öffnete die Tür, um nicht erdrückt zu werden. Drei Soldaten standen in meinem Hof. Einer von ihnen, der Größte, mit leeren blauen Augen und einer dünnen Narbe über der Augenbraue, zeigte auf mich und sagte in gebrochenem, stark akzentuiertem Französisch: „Sie sind schwanger. Kommen Sie herein.“
Ich versuchte zu fragen, warum. Ich versuchte zu sagen, dass ich nichts getan hatte. Doch bevor ich etwas sagen konnte, packte er meinen Arm und zerrte mich gewaltsam weg. Ich schrie. Ich versuchte, mich zu wehren, aber ein anderer Soldat packte meinen anderen Arm, und gemeinsam zerrten sie mich zu dem auf der Straße geparkten Lastwagen.
Andere Frauen saßen bereits wie versteinert auf dem Boden, klammerten sich aneinander, die Augen weit aufgerissen vor Angst. Einige erkannte ich sofort. Hélène Rouselle, die in der Bäckerei arbeitete und ein sanftes Lächeln hatte, das jeden Raum erhellte. Jeanne Baumont, die Lehrerin, die den Kindern Lesen beibrachte, selbst als es keine Bücher gab. Claire Delonet, die Krankenschwester, die die Kranken pflegte, ohne etwas dafür zu verlangen, weil sie wusste, dass niemand Geld hatte. Alle jung, alle schwanger, manche schon weiter als ich, mit riesigen Bäuchen, die kaum unter zerrissener Kleidung verborgen waren, andere noch in den ersten Schwangerschaftsmonaten, die versuchten, sie zu verstecken. Aber sie waren alle da, alle gefangen, alle verurteilt zu etwas, das wir noch nicht verstanden, aber das wir bereits in der Luft spüren konnten.