Mariana sah mich an. „Alles in Ordnung?“
“Ja.”
Nicht etwa, weil ich mich siegreich fühlte.
Weil ich es für zutreffend hielt.
So ist es besser.
Teil VI: Arbeit
Bevor ich die Halle verließ, zog ich wieder meine graue Uniform an.
Mariana sah mir beim Zuknöpfen des Hemdes zu und fragte: „Gehst du wieder nach unten?“
“Ja.”
„Du bist furchteinflößend.“
„Nein“, sagte ich. „Ich arbeite.“
In der Lobby wartete Ernie.
“Also?”
„Sie verstehen es.“
Er nickte in Richtung der Einfahrt. „Der Blonde ist als Erster weggefahren. Wütend. Er stand fast fünf Minuten draußen, bevor er in sein Auto stieg.“
Ich habe nicht gefragt, wie er aussieht.
Das wusste ich bereits.
Draußen herrschte reges Treiben in der Stadt. Verkäufer an den Straßenecken. Taxis stritten sich um die Fahrspuren. Eine Frau in einem grünen Blazer schrie in ein Headset. Sam hatte die Kehrlinie fertig gefegt und den Besen dort hingestellt, wo ich ihn brauchte.
Ich hob es auf und ging wieder an die Arbeit.
Ein paar Leute warfen mir Blicke zu.
Dann weg.
Wieder unsichtbar.
Das hätte mich beinahe zum Lächeln gebracht.
Nicht etwa, weil die Unsichtbarkeit gesiegt hätte.
Denn nun gab es eine Wahl.
An diesem Nachmittag holte ich Thomas und Lucy von der Schule ab.
Keiner von beiden ahnte, dass ihre Mutter gerade den größten Mietvertrag in Ethans Karriere abgelehnt, ihn in einem Sitzungssaal bloßgestellt und live miterlebt hatte, wie seine Verlobte ihren Ausstieg plante.
Thomas roch nach Buntstiften und Klebstoff. Lucy musste einen Streit darüber erklären, ob Drachen als Tiere gelten. Sie kletterten auf den Rücksitz, laut, lebendig und in Sicherheit.
An einer roten Ampel fragte Lucy: „Bist du müde?“
“Ein wenig.”
„Vom Reinigen?“
„Von der Arbeit.“
Das genügte.
Zuhause in Brooklyn roch es abends nach Suppe, frisch gewaschener Wäsche und ganz normalem Leben. Thomas breitete Buntstifte auf dem Küchentisch aus. Lucy las kopfüber auf dem Sofa. Nach dem Abendessen nähte ich den losen Arm an Thomas’ Teddybären, während ich nebenbei zwei E-Mails beantwortete und drei Anrufe von unbekannten Nummern ignorierte.
Eine der Voicemails stammte von Ethan.
Ich habe es später in der Küche unter den Schranklichtern gespielt.
Seine Stimme klang müde. Beherrscht. Er bemühte sich immer noch.
Er sagte, das Treffen sei unnötiges Theater gewesen. Vanessa habe ihre Kompetenzen überschritten. Er wolle unter vier Augen mit mir sprechen, auf Augenhöhe, um die Vergangenheit vom geschäftlichen Ergebnis zu trennen. Am Ende war er wieder in seiner alten, scharfen Art. Er sagte, er hoffe, ich würde mich nicht von Bitterkeit zu rationalen Entscheidungen verleiten lassen.