Ich reservierte den Fensterplatz, weil meine Mutter die Wolken schon immer geliebt hatte

Ich hatte den Fensterplatz reserviert, weil meine Mutter es schon immer geliebt hatte, die Wolken zu betrachten. Selbst als ich noch ein Kind war, hörte sie mitten beim Abwasch auf, sobald sich der Himmel rosa färbte.

Dann stand sie am Küchenfenster, ein Geschirrtuch über der Schulter, und sagte:

„Komm her und sieh dir das an, Daniel. Kein Himmel sieht zweimal gleich aus.“

Sechs Monate vor unserem Flug

Sechs Monate vor unserem Flug war bei ihr ein Lymphom diagnostiziert worden.

Danach verwandelte sich unser Leben in einen Wirbel aus Krankenhauszimmern, Plastikstühlen, Medikamentenfläschchen und Ärzten, die mit vorsichtigen Stimmen mit uns sprachen.

Mama hatte Gewicht verloren.

Sie hatte den größten Teil ihrer Haare verloren.

An manchen Tagen schaffte sie es nicht einmal von ihrem Schlafzimmer bis in die Küche, ohne unterwegs stehen bleiben und sich ausruhen zu müssen.

Aber eines hatte sie nie aufgehört zu tun:

Sie blickte weiterhin zum Himmel.

Auf dem Weg zu ihren Behandlungen zeigte sie noch immer auf Wolken, die ihrer Meinung nach wie Tiere aussahen.

„Die da sieht aus wie ein Kaninchen“, sagte sie.

„Sie sieht aus wie ein Schuh.“

„Du hast überhaupt keine Fantasie.“

„Dafür habe ich ausgezeichnete Augen.“

Dann lachte sie.

Und für einen kurzen Moment saß der Krebs nicht zwischen uns.

Die Reise war ihre Idee gewesen.

Ihre letzten Untersuchungen hatten eine Verbesserung gezeigt, und meine Cousine Rachel hatte uns eingeladen, sie in Oregon zu besuchen.

Ich sagte zu Mama:

„Das sind fünf Stunden Flug.“

„Ich weiß, wie Flugzeuge funktionieren.“

„Du bist schon erschöpft, wenn du nur zum Briefkasten gehst.“

„Dann stell den Briefkasten eben nach Oregon.“

Am nächsten Morgen erschien sie beim Frühstück.

Ihr blauer Koffer stand bereits fertig gepackt neben der Tür.

Also buchte ich die Tickets.

Ich zahlte extra für einen Fensterplatz weiter vorne im Flugzeug. Außerdem organisierte ich einen Rollstuhlservice und bevorzugtes Boarding.

Ich wollte, dass alles perfekt war.

Schon am Flughafen war Mama nervös

Von dem Moment an, als wir am Flughafen ankamen, war Mama angespannt.

Immer wieder kontrollierte sie ihre Handtasche, um sicherzugehen, dass ihr Ausweis noch darin war. Zweimal fragte sie mich, ob sie ihre Medikamente überhaupt mit ins Flugzeug nehmen dürfe.

Als ein Mitarbeiter sie im Rollstuhl zum Gate schob, umklammerte sie die Armlehnen so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden.

„Alles in Ordnung?“, fragte ich.