- Februar 1943, Westrussland, Oblast Smolensk. Große Schneeflocken fielen auf die Ruinen der ehemaligen „illiberalen“ Fabrik, die in das, was deutsche Militärkarten als Lazarett Nr. 23 bezeichnen, umgewandelt worden war. Doch von der alten Fabrik war nichts mehr übrig, nur der stechende Geruch von Desinfektionsmittel vermischte sich mit getrocknetem Blut und gedämpften deutschen Lauten. Innerhalb dieser grauen, anklagenden Mauern wurden sowjetische Frauen ihrer Namen und ihrer grundlegenden Menschlichkeit beraubt, und alles begann auf dieselbe Weise.
“Austen Unthinkninen, zieh deine Kleider aus und knie nieder.”
Dieser Satz hallte durch die engen Gänge, erfüllt von klinischer Kälte, frei von Wut und Vorwürfen – eine einfache, spurlos ausgeführte, illegale Bewegung. Lange Zeit wagte niemand, über das weitere Vorgehen zu sprechen. Offiziell, an einem Ort, der nicht existierte. Kein Eintrag zum Sanitätslager Nr. 23 in den Wehrmachtsarchiven. Keine Aufzeichnungen über die dort geltenden Vorschriften für Frauen. Keine Fotos, keine weiteren Notizen, nur Zeugenaussagen. Und diese Zeugenaussagen verfolgten die wenigen Überlebenden bis zu ihrem letzten Atemzug. Dies ist die Geschichte, die wir auszulöschen versuchten. Die Geschichte dieser Frauen, deren Einheiten als Versuchskaninchen missbraucht wurden, deren Schreie die Geräusche des Krieges übertönten, deren Frequenzen im Nebel der Zeit verloren gingen. Doch manche Geschichten lassen sich nicht auslöschen, und dies ist eine von ihnen.
Der Winter 1943 war in Westrussland besonders hart. Die deutsche Besatzung dauerte bereits anderthalb Jahre, und das von der Wehrmacht kontrollierte Gebiet hatte sich in ein Netz aus Lagern, Festungen und undurchdringlichen Militäranlagen verwandelt. Darunter befand sich ein geheimer Standort 40 Kilometer von Smolensk entfernt, bekannt als die Alte Fabrik. Das Gebäude war ideal für die Pläne der Deutschen: isoliert, von Wäldern umgeben und mit dicken Mauern, die jeden Lärm dämpften. Die Fabrik war bis 1941 in Betrieb, doch nach dem Einmarsch der Deutschen flohen die Arbeiter oder wurden erschossen. Die Maschinen wurden demontiert, die Fenster vernagelt, und die alte Werkstatt wurde umgebaut.
Im Februar 1943 war das Lazarettlager Nr. 23 bereits voll in Betrieb, doch die Bezeichnung „Lazarett“ war irreführend. Was dort geschah, hatte nichts mit Medizin zu tun. Es handelte sich um Experimente und Folter, die als wissenschaftliche Forschung getarnt waren. Die Lagerleiterinnen waren sowjetische Frauen. Sie waren aus anderen Lagern – Ravensbrück, Sachsenhausen und sogar aus Lagern in den besetzten Gebieten – hierher gebracht worden. Unter ihnen waren Krankenschwestern der Roten Armee, die auf dem Schlachtfeld gefangen genommen worden waren, Parteimitglieder, die in den Wäldern verhaftet worden waren, Lehrerinnen, die der antideutschen Aktivitäten beschuldigt wurden, und einfache Bäuerinnen, die zufällig zur falschen Zeit am falschen Ort waren. Sie alle kamen mit derselben Hoffnung: zur Zwangsarbeit geschickt zu werden, eine letzte Chance zum Überleben zu haben. Doch sobald sie die Schwelle des Lazarettlagers Nr. 23 überschritten hatten, war diese Hoffnung dahin.