Das Ritual war eintönig. Um sechs Uhr morgens schlugen die Wachen mit ihren Gewehrkolben gegen die Gitterstäbe der Zellen. „Auste, Debüt!“ Die Frauen wurden mit heiserer Stimme durch eisige Gänge in eine große Halle getrieben, die einst als Lager für Fabrikstoffe gedient hatte. Dort, im grellen Licht der Fortune-OP-Lampen, führte Dr. Volker seine Experimente durch. An seiner Seite standen drei Assistentinnen: deutsche Krankenschwestern, zwangsrekrutiert und Befehle bedingungslos befolgend. Und in der Ecke des Raumes, stets mit hinter dem Rücken verschränkten Händen, beobachtete SS-Offizier Klaus Rittner das Geschehen. Er sagte kein Wort; er machte sich lediglich Notizen. Und das war der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte.
„Strengstens: Ausziehen und hinknien.“
Die Assistentinnen wiederholten den Befehl in gebrochenem, aber verständlichem Russisch. Die Frauen, die sich bereits resigniert hatten, gehorchten sofort. Andere zögerten, fragten herum und suchten nach einer Möglichkeit, an der Mira teilzunehmen.
Doch es geschah nichts – nur Kälte, Stille und die gleichgültige Haltung von Doktor Volker. Volker schrie nicht, er drohte nicht; er wartete einfach. Und wenn alle nackt und schutzlos knieten, begann er seine Arbeit und injizierte unbekannte Substanzen. Die Frauen erhielten Injektionen, die ihren Körper zur Abstoßung zwangen. Volker beobachtete die Reaktionen: Abstoßungserscheinungen, Krämpfe, Bewusstlosigkeit. Er notierte alles in seinen Aufzeichnungen: den Zeitpunkt des Reaktionsbeginns, die Intensität der Symptome, den Todeszeitpunkt, falls dieser eintrat. Alles wurde mit wissenschaftlicher Präzision festgehalten.
Kälteresistenztests. Die Frauen wurden nackt in Becken mit eiskaltem Wasser – Temperaturen zwischen 2 und 5 Grad Celsius – getaucht und mit Lederriemen fixiert, die ihre Hand- und Fußgelenke fesselten. Volker maß die Zeit bis zum Eintritt der Bewusstlosigkeit. Alle fünf Minuten überprüfte er ihre Körpertemperatur mittels Rektalthermometern. Dieser Kontakt war brutal und aggressiv und verlieh der körperlichen Folter eine zusätzliche, erniedrigende Dimension. Manche Frauen hielten 15 Minuten durch, andere eine halbe Stunde. Keine überstand länger als eine Stunde. Wenn man sie aus dem Wasser holte, war ihre Haut bläulich verfärbt, die Lippen waren violett und die Augen glasig. Sie erlangten nie wieder das Bewusstsein. Man brachte sie zurück in ihre Zellen, wo sie nachts einsam an der Kälte starben.
Volker beschränkte sich nicht auf bloße Beobachtungen; er erprobte auch verschiedene Methoden, um sie wieder aufzuwärmen. Manche der bis zum Tod eingetauchten Frauen wurden an die nackten Körper deutscher Soldaten gepresst, um zu prüfen, ob menschliche Wärme sie wiederbeleben könnte. Andere wurden in kochendes Wasser getaucht und einem Kälteschock ausgesetzt, der oft zu Herzstillstand führte. Volker dokumentierte alles. Die seinen Aufzeichnungen zufolge schonendste Methode war die schrittweise Erwärmung mittels Wärmedecken. Doch sie kostete Dutzende Menschenleben. Frauen starben an Unterkühlung oder Herzstillstand infolge eines Schocks – und all das nur, um Informationen in einem schwarzen Notizbuch festzuhalten. Ein weiteres Experiment bestand darin, gezielt Infektionen herbeizuführen.