„Zieht euch aus.“ Was die deutschen Soldaten ihnen danach antaten, ist widerlich…

Es gab noch eine weitere Figur in dieser Geschichte: eine Frau, die alles sah und nichts ändern konnte. Greta Hofmann, eine deutsche Krankenschwester, die im März 1943 dem Sanitätsposten im Lager Nr. 23 zugeteilt wurde. Greta wollte nicht dort sein. Sie war erst 23 Jahre alt. Sie hatte gerade ihre medizinische Ausbildung in Hamburg abgeschlossen, als sie den Befehl erhielt, nach Russland zu gehen. Man sagte ihr, sie würde Soldaten der „Blessing“ behandeln. Niemand sagte ihr die Wahrheit. Als Greta ankam und sah, was im Lager wirklich vor sich ging, war sie entsetzt. Sie versuchte zu protestieren. Sie sagte Völker, dass das unerträglich sei, dass dies keine Medizin sei.

Er blickte sie mit kalter Verachtung an und erwiderte: „Frao Hofmann, Sie sind hier, um Befehle zu befolgen, nicht um Gnade zu zeigen. Wenn Sie Ihren Pflichten nicht nachkommen können, werde ich Ihnen einen Platz in einem anderen Lager als Gefängniswärterin suchen.“

Greta verstand. Sie saß in der Falle. Wenn sie sich weigerte, würde sie vernichtet werden. Also blieb sie. Doch sie tat etwas Gefährliches: Sie begann, Tagebuch zu führen. Jede Nacht, im Kerzenlicht ihres kleinen Zimmers, schrieb Greta auf, was sie sah. Sie notierte die Namen von Frauen, die sie erkannte. Sie beschrieb Experimente. Sie dokumentierte Todesfälle. Sie wusste, dass sie erschossen würde, wenn man sie erwischte. Ihr Tagebuch, das 1978 in einer versiegelten Kiste im Keller ihres Münchner Hauses entdeckt wurde, wurde zu einem der wertvollsten Beweisstücke zu den Ereignissen in der Sanitätsabteilung des Lagers 23.

In einem Eintrag vom 15. April 1943 schrieb sie: „Heute wurde eine neue Gruppe von Frauen eingeliefert, 23 an der Zahl. Unter ihnen war ein junges Mädchen, das nicht älter als achtzehn gewesen sein konnte. Sie hatte dünne Zöpfe um den Kopf. Sie weinte und rief nach ihrer Mutter. Dr. Völker wählte sie als Erste aus. Ich halte es nicht mehr aus. Ich halte es nicht mehr aus. Aber wenn ich nicht weitermache, wer wird Zeuge sein? Wer wird der Welt erzählen, was hier geschehen ist?“

Greta wusste, dass die meisten Frauen, die sie berührte, nicht überleben würden. Doch sie wusste auch, dass sie ihre Namen aufschreiben, ihre Geschichten festhalten musste, sonst würden sie für immer verschwinden, als hätte es sie nie gegeben. Die Frauen waren in feuchten Steinzellen im Keller einer alten Fabrik eingesperrt. Es gab keine Fenster. Kein Tageslicht. Nur eine schwache Glühbirne flackerte an der Decke, und Militärlastwagen ratterten vorbei. Die Kälte war so eisig, dass die Frauen mit aufgesprungenen Lippen aufwachten und die ganze Nacht zitterten. Es gab keine Matratzen, nur altes Stroh und zerrissene Decken, die muffig und nach Urin stanken.